Halb-Trockenrasen

Dieser Titel muss erklärt werden!  Echte Trockenrasen nennt die Fachfrau/der Fachmann Flächen, auf denen Gräser und Kräuter wachsen und die so trocken sind, dass größere Gehölze nicht gedeihen können. Halb-Trockenrasen sind Flächen, auf denen durch jahrhundertelange Beweidung, meistens durch Rinder und Pferde (nicht etwa durch Schafe!) ebenfalls keine Gehölze wachsen, da die Tiere dafür sorgen, dass sie abgefressen werden; allerdings eben nur solange, wie die Beweidung anhält. Da dies zumeist auf steilen, wenig produktiven Standorten geschah, also an steilen Hängen, die über eine sehr geringe Bodenauflage verfügen und nicht gedüngt wurden, haben sich hier über die Zeit ausgesprochen nährstoffarme Standorte und darauf artenreiche Lebensgemeinschaften erhalten. Zahlreiche Schmetterlinge, Orchideen, Reptilien, Wildbienen und viele weitere Arten haben hier ein Refugium. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie in der hochgedüngten und weitgehend totgespritzen und ausgeräumten Agrarlandschaft nicht (mehr) überleben können und ihr Vorkommen daher auf diese Standorte begrenzt ist und leider ist diesen Flächen auch gemeinsam, dass nur mehr kaum jemand vom Ertrag leben kann. Das System der Landwirtschaft und sein riesiger Subventionsbetrieb ist eben nicht an der Entwicklung und Erhaltung der Natur interessiert. Es regiert die Masse und das Geld, ohne Einpreisung der enormen Schäden an unseren Lebensgrundlagen. Von den ehemals großen und landschaftsprägenden Weidelandschaften an den Hängen der Mittelgebirge sind daher viele Standorte mittlerweile aufgeforstet oder eben einfach zugewachsen. Es sind nurmehr einige wenige übrig geblieben und sie werden zumeist mit großem Idealismus von Gehölzen freigehalten, sonst würden sie zuwachsen und ihre Artenvielfalt vollends verlieren. 

Diese Flächen mit ihrer Artenvielfalt zu erhalten, ist jedoch nicht einfach und es gibt hier zahlreiche Mißverständnisse, auch im Naturschutz. Einfach "offenhalten" reicht nicht aus. Viele Arten benötigen eine sehr heterogene Vegegationsstruktur. Keinesfalls dürfen die Flächen jedes Jahr vollständig kahlgefressen werden. Denn viele Insektenarten können sich dann nicht erfolgreich entwickeln. Und schon gar nicht mit Schafen. Von Natur aus haben sich nämlich unsere mitteleuropäischen Arten nicht an die Art angepasst, wie Schafe ihre Weiden befressen und schon gar nicht an die Koppelhaltung heutiger Prägung. Sie beißen alles mit ihren Zähnen ab (anders als Pferde und Rinder, die nur oberflächig mit ihren Lippen das Gras abreißen) und erreichen damit auch die vielen tiefliegenden rosettenbildenden Blütenpflanzen. Anders als Pferde und Rinder zerstören sie damit die Vielfalt der Pflanzen auf den Halb-Trockenrasen. Im Ergebnis profitiert vor allem ein Gras - die aufrechte Trespe - die in der Folge der Schafbeweidung auf vielen Halb-Trockenrasen dominiert. Blütenpflanzen sucht man dagegen auf solcherart gepflegten Halb-Trockenrasen vergebens und die Insektenfauna schwindet in der Folge dieser Beweidung. 
Die Trockenheit der Jahre 2018-2022 hat darüber hinaus auch auf den Halb-Trockenrasen großen Schaden angerichtet. So sind viele Pflanzenarten, die als Raupennahrung für Schmetterlinge und als Nektarquelle für Wildbienen benötigt werden, in 2022 vorzeitig vertrocknet. Es ist eben nicht leicht, die historischen Nutzungsformen auf kleinen Flächen nachzubilden.